BRSD Jahrestagung 2018

… die beste Jahrestagung seit einigen Jahren!

… so die Meinung einer Teilnehmerin unserer Jahrestagung bei der Abschlussrunde. Inhaltlich war viel geboten und das auf eine neue Weise mit modernen Methoden: Es gab ein abwechslungsreiches inhaltliches Programm mit zwei wegweisenden Vorträgen.

Freitagabend: Vortrag und Diskussion mit Altbischof Martin Schindehütte

Am Freitagabend nahm Altbischof Martin Schindehütte die über 30 Anwesenden mit auf einen Pilgerweg des „Gerechten Friedens“. Hr. Schindehütte begründete biblisch die Verpflichtung aller Christ*innen für ALLE Menschen aktiv an der Aufgabe „Unrecht und Gewalt beim Namen zu nennen und an ihrer Überwindung zu arbeiten und für einen gerechten Frieden einzutreten.“ Dieser biblische Auftrag für die Christ*innen ist nicht einer, der die Christenheit über die anderen Religionen stellt. Sondern es geht um einen multireligiösen Dialog mit allen anderen Religionen und darin immer um die Verantwortung auch für die fremden Nächsten. Damit ist unser christlicher Pilgerweg eine gelebte Spiritualität IN DIESER Welt und zielt in ihrer Kontemplation, ihrer Andacht, ihrem Beten und vor allem in ihrer Kritik am Bestehenden und in ihrem aktiven Handeln auf die Überwindung der Situationen voller Gewalt und Unrecht. Die Diskussion wurde auch angereichert durch Beiträger zweier Vertreter*innen des Kasseler Friedensforums. Dieses ist ein Zusammenschluss mehrerer Organisationen und aktiver Einzelner für die regionale Friedensarbeit. Schwerpunkte des Forums sind der Kampf gegen die Rüstungsexporte, auch aus der Rüstungshochburg Kassel mit seiner Rüstungsindustrie. Im Rahmen von Kampagnen gegen die geplanten Aufrüstungspläne der Bundesregierung finden viele Aktionen statt.

Samstag: Bibliolog, Vortrag, Weltcafé …

Der Samstag startete mit einer Lesung und deren Interpretation mit der Methode Bibliolog, angeleitet von Pfarrerin Ihlenfeldt vom Bundesvorstand. Der Bibliolog ist eine befreiungstheologisch inspirierte Methode des Nacherzählens und Nacherlebens der Biblischen Szene und sehr gut geeignet, um miteinander die Bibel zu teilen. Dadurch bekam unsere Tagungsgruppe eine biblisch fundierte gemeinsame Orientierung. Es schloss sich dann die erste Sequenz einer Situationsanalyse der gegenwärtigen Situation des Bundes an. Kurz zusammengefasst: Der Bund bewältigt gerade einen Generationswechsel im Vorstand, hat sich in finanzieller Hinsicht konsolidiert, orientiert sich auf neue Methoden der Öffentlichkeitsarbeit (gestützt auch auf das Internet) ohne Bewährtes zu unterlassen. Erfreulich ist unsere kontinuierliche Präsenz auf den ev. Kirchentagen und seit neuestem auch auf dem Katholikentag mit jeweils einem eigenen repräsentativen thematischen Infostand. Die große Aufgabe des Bundes besteht in der Gewinnung neuer und weiterer Mitglieder – hier gibt es eine positive Tendenz, auch wenn die Anzahl der an einem Beitritt Interessierten noch gesteigert werden muss. Hier werden wir künftig für die Jüngeren auch Möglichkeiten über das Internet schaffen. So denken wir bspw. an eine Facebook-Gruppe speziell für Neu-Mitglieder. Wir werden das Web stärker als bisher für die bundesweite Vernetzung nutzen.

Am Samstagnachmittag hielt die Bundestagsabgeordnete Eva Maria Schreiber (Partei Die Linke) einen Vortrag zum Thema „Was haben die aktuellen Kriege mit dem ausufernden Kapitalismus zu tun?“ MdB Schreiber ist Mitglied bspw. im Bundestagsausschuss für Wirtschaftliche Entwicklung, Welternährungspolitik, Weltgesundheit und besucht in dieser Funktion häufig die Länder im Globalen Süden. Sie wies auf die in den grundlegenden Strukturen des Kapitalismus liegenden Zwänge zum Wachstum und zur Konkurrenz hin. Letztlich liegen hierin die ständig steigenden Gefahren für Kriege und tatsächlich werden diese ja auch weltweit geführt. Teilweise als sog. „Stellvertreter-Kriege“, in denen brutale Regimes die Ausbeutungsordnung in den Ländern stellvertretend für den reichen Norden aufrechterhalten. Die Bundesregierung treibt in ihren Bündnissen, bspw. der NATO, die Krisentendenzen voran durch eine Koppelung von Entwicklungshilfen und Militärinterventionen. Es ist für uns klar: Diese Wirtschaft tötet – keine Frieden mit dem Kapitalismus!

Am Nachmittag wurde mit der Methode „Weltcafé“ an Themendiskussionstischen gearbeitet. Ergebnisorientiert diskutiert wurden die Themen: „Unsere Spiritualität – gerade KEINE auf ein Jenseits bezogene Spiritualität“ (Thementisch 1), „Was ist Gerechter Frieden – was können wir als BRSD dafür tun?“ (Thementisch 2), „Was hat Gerechtigkeit mit Sozialismus zu tun? Wie können wir sozialistische Tendenzen im Hier und Heute stärken?“ (Thementisch 3). Der Abend wurde bei einem Abendessen mit italienischer Küche beschlossen.

Der Sonntag begann mit einem Gottesdienst, den unsere Jahrestagungs-Gruppe mitgestaltete. Liedauswahl, Interpretation der Perikopen-Lesung, Fürbitten – alle unsere Beiträge waren befreiungstheologisch inspiriert und kamen, so die Rückmeldungen, bei unserer gastgebenden Kirchengemeinde Wehlheide gut an.

Danach begann die Mitgliederversammlung. Von dieser ist zu berichten, dass der alte Vorstand entlastet wurde, die Kasse geprüft und die Kassenführung entlastet wurde und ein neuer Vorstand gewählt wurde. Dem alten Vorstand wurde für dessen „grundlegenden Fundamente bereitende Arbeit“ sehr gedankt- gemeint war damit vor allem die finanzielle Fundierung des Bundes. Der neue Bundesvorstand besteht nun aus Andreas Herr (Bundessekretär), Sabine Herr (Bundeskassenführerin) – beide Ingolstadt. Als weitere Mitglieder des Bundesvorstands wurden gewählt Gerhard Emil Fuchs-Kittowski, Berlin und Jürgen Gorenflo, Hamburg und Thomas Kegel, Hannover. Mit den besten Wünschen für eine gute weitere Vorstandsarbeit und einem Reisesegen wurde die Mitgliederversammlung und Jahrestagung beendet.

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