Wir nehmen Abschied von Erhard Eppler!

Von Reinhard Gaede (Ehrenvorsitzender des BRSD)

Erhard Eppler ist im Alter von 92 Jahren am 19.10.2019 gestorben. Mit ihm verliert Deutschland einen überzeugten Sozialdemokraten, einen engagierten Christen und klugen Vor- und Querdenker. Auch uns selbst wird er fehlen. Wir denken an seine Ehefrau, Kinder, Enkel und Urenkel und trauern mit ihnen.

Erhard Eppler wurde 1926 geboren. Er erlebte den Zweiten Weltkrieg, legte nach dem Krieg sein Abitur ab. Der promovierte Gymnasiallehrer trat 1956 in die SPD ein. Als Abgeordneter des Deutschen Bundestags für den Wahlkreis Heilbronn, als Landesvorsitzender der SPD in Baden-Württemberg, als Mitglied des SPD Bundesvorstands und des Präsidiums, als Vorsitzender der Grundwertekommission der SPD, hat Erhard Eppler die Sozialdemokratische Partei Deutschlands über Jahrzehnte geprägt. Er war ein überzeugter Anhänger der Friedensbewegung und erkannte früh die Bedeutung der ökologischen Frage. Auch die Entwicklungspolitik der Bundesrepublik Deutschland hat Erhard Eppler entscheidend geprägt – nicht zuletzt als Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit im Kabinett Willy Brandts.

Erhard Eppler war ein engagierter Protestant und hat viel für die Verständigung von SPD und Kirchen geleistet. Zweimal war er Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchentags, viele Jahre gehörte er dem Präsidium des Deutschen Evangelischen Kirchentags und der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland an.

Am 17. Juni 1989 hielt der SPD-Linke Eppler, gegen den entschiedenen Widerstand der Union, die offizielle Rede zum Tag der deutschen Einheit. Er skizzierte präzise die desolate Lage in der DDR. Die Frage sei nicht mehr ob, nur noch wann das SED-Regime zusammenbricht. Ohne Mauer aber werde die Frage der deutschen Einheit auf die Tagesordnung kommen. Prophetische Worte damals.

Die kommissarische SPD-Vorsitzende Malu Dreyer hat E. Eppler „als einen großen Vordenker in unseren Reihen“ gewürdigt. Sie erinnerte unter anderem an Epplers „glühende Leidenschaft für ein vereintes und soziales Europa des solidarischen Miteinander“.

In „Christ*in und Sozialist*in“ CuS 1/2007 haben wir an ihn geschrieben: „Besonders nahe bist Du uns gewesen in Deinem Engagement für die Armen der Einen Welt, als Teilnehmer bei Friedens-Demonstrationen im Widerspruch gegen atomare Aufrüstung und Golf-Kriege, im Engagement für Umweltschutz und als Kirchentags-Präsident.“

In CuS 1/1982 haben wir über seinen Vortrag bei unserer Tagung „Basisorientierter Sozialismus gestern und heute“ in Haus Lerbach, Bergisch Gladbach berichtet.

In CuS 1/1985 konnten wir seinen Vortrag vor den Österreichischen Bundesgenossen in Linz lesen.

Er hatte sich immer – so sein Vortrag in Bad Boll, CuS 1/2001– an Christoph Blumhardts Wort gehalten: „Gott ist bei den Elenden, Armen, Unterdrückten. Dort sollen wir ihn suchen“.

Für die Stärkung der Demokratie und der Zivilgesellschaft hatte er geworben und im Jahr 2000 diagnostiziert: „Was Marx im Kommunistischen Manifest vor 151 Jahren als globalen Kapitalismus beschrieben hat, ist nun lückenlos wirklich geworden. …Wir sollten uns darauf konzentrieren, die Demokratie zu erhalten und zu stärken….sie ist der Versuch von Menschen, selbst zu entscheiden, wie sie leben wollen.“ (CuS 1/2000)

Die Demokratie-Denkschrift der Ev. Kirche kam 60 Jahre zu spät“, hatte er in CuS 2/2003 bemerkt: „Hoffen wir, dass sie jetzt als Teil der Zivilgesellschaft tapfer für Gerechtigkeit und Frieden streitet!“

Zwischen „Vergottung und Verspottung“ hatte er die Lage des Staates gesehen und Bewegungen des Widerstandes gegen die „marktradikale Abwehr des Staates“ mit wachen Augen gesucht. (CuS 2-3/2007)

In CuS 2-3/2011 haben wir seinen Vortrag „Wer regiert die Welt?“ auf dem Dresdener Kirchentag wiedergegeben. Ökologischer Umbau der Wirtschaft und eine solidarische Gesellschaft sind seine Postulate gewesen. „Die solidarische Gesellschaft als Voraussetzung für den Frieden“ war sein Thema bei seiner Rede zum 100 Jahre Sozialistenkongress Jubiläum im Basler Münster.

(CuS 2–3/2013)

„Wenn Du ein Gärtchen hast und eine Bibliothek so wird Dir nichts fehlen.“ (Marcus Tullius Cicero) so haben wir ihn bei Telephon-Gesprächen im Ruhestand erlebt.

 

Dankbar denken wir an seine Treue zum demokratischen Sozialismus und erinnern uns bewegt an seine Begleitung der Religiösen Sozialist(inn)en als Autor und Leser unserer (Mitglieder-)Zeitschrift CuS.

 

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